Freitag, 10. April 2015

"Second round's on me!"


Prolog
Zweite Runde. In der Musikszene gibt es ja seit jeher die goldene Regel, dass das zweite Werk, das Follow-Up zum Debüt, das schwierigste und gleichzeitig wichtigste ist. Also: Hauptsache kein Druck.
Dieses Mal geht es, welch Überraschung, u.a. auch wieder um eine Netflix Serie, die aber auch wirklich ein Kracher ist. Jedoch möchte ich, wie im ersten Post bereits angekündigt, gerne auch auf die oft sehr stiefmütterlich behandelten ‚kleineren’ Shows aus den USA eingehen, die auf Grund der starken Präsenz der Streaming-Dienste und der Pay-TV-Sender (wie HBO und Showtime) Gefahr laufen, in Vergessenheit zu geraten. Hier werde ich ein paar Sätze zu meinen jeweiligen Favoriten verlieren und so ein paar Meinungen und Tipps preisgeben.
Des Weiteren schauen wir mal was bei HBO zur Zeit so geht. Ich sage nur: Sonntag, 12.04.2015. Die halbe Weltbevölkerung zwischen 16 und 40 Jahren wartet ja auf diesen Tag um endlich zu erfahren, welche Auswirkungen die Ermordung eines verbitterten Rentners während des nächtlichen Austretens für die sieben Königreiche und seine missratenen Kinder hat. Ach ja, und True Detective hat endlich einen Teaser sowie ein Release-Date für die neue Staffel.
Feedback, in jeglicher Form, ist natürlich auch heute wieder erwünscht.
Ich wünsche viel Spaß beim lesen. 

NETFLIX
Review: Bloodline, Staffel 1 (A.K.A. “There is nothing you can do to stop it.“)
Verdammt, da habe ich nur ein paar Tage nach meinem ersten Eintrag direkt mal meine eigene Regel („Bingewatching, aber in Maßen!“) missachtet und mir die letzten 5 Folgen Bloodline schon drei Tage nach dem Erscheinen auf Netflix gegönnt. Ich muss mich ja dafür (eigentlich) nicht rechtfertigen, aber: ich konnte einfach nicht anders!
Ich habe seit langem nicht mehr so eine dermaßen düstere Show gesehen bzw. eine Serie geschaut in der so wenig Positives geschieht. Zwischendurch hatte ich immer auf eine Art ’Comic Relief’ gewartet aber der stellte sich nicht so richtig ein. Das klingt jetzt so, als wäre ich nicht begeistert. Ganz im Gegenteil: nach der letzten Szene in Folge Dreizehn habe ich erst mal dagesessen und ein paar Minuten all das Revue passieren lassen was mir da so aufgetischt wurde, und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich diese Show uneingeschränkt empfehlen kann.
Zerstörte Hoffnungen, Enttäuschung, Gewalt und eine in sich ganz und gar inhomogene Familie – das sind für mich die großen Themen dieser Geschichte über ein Ehepaar und seine vier (bzw. fünf) Kinder, die mit Hilfe von Flashbacks und Vorschauen sehr clever und spannend erzählt wird. Zunächst wird jedem Familienmitglied eine Folge gewidmet, um den Zuschauer in die jeweilige Figur und ihre Charakterzüge einzuführen, auch werden die Ereignisse aus der Vergangenheit immer wieder angeschnitten, ohne sie jedoch vollends zu erklären bzw. zu erläutern inwiefern sie für den inneren Konflikt des Charakters verantwortlich sind.

Sam Shepard gibt den (scheinbar) unkaputtbaren Patriarchen und nicht nur einmal wird deutlich gemacht: der Name der Familie Rayburn steht in den Florida Keys für Anstand, für Beständigkeit. Selbst ein Pier wird nach ihnen benannt. Der Familienbetrieb – ein malerisches Hotel direkt am Strand – floriert und bietet seit fast 50 Jahren ein Refugium für neureiche Städter am südlichsten Zipfel der vereinigten Staaten.
Das es mit dieser Herrlichkeit natürlich nicht allzu lange weitergeht ist spätestens seit meinem Teaser im ersten Post klar. “We’re not bad people. But we did a bad thing“, wie John Rayburn (Kyle Chandler, seit Friday Night Lights ein wenig in die Breite gegangen) es im Trailer schon sagt, beschreibt die Dreizehn folgen sehr gut. Natürlich(!) sind die Rayburn-Sprösslinge in einem anständigen Haushalt groß geworden aber jeder trägt alte Wunden mit sich herum, seien es psychische oder tatsächliche Verletzungen aus der Vergangenheit. Wie dem auch immer sein mag, alles fängt an sich zum schlechten zu wenden als Danny Rayburn (Ben Mendelsohn, wirklich Bärenstark!) sich entschließt zum 45-jährigen Jubiläum des Hotels nach Hause zurückzukehren. Seine Präsenz ist ein unmittelbarer Trigger für diverse Ereignisse und macht die Familie innerhalb kürzester Zeit zu der, „die man nicht sein will.“
Dannys totale Gleichgültigkeit für Gefühle der Menschen um ihn herum und die seiner Familie ist teilweise schon sehr krass, sein Bruder John bezeichnet in mehrfach als Monster, aber tut dies schließlich nicht ganz unbegründet. Sein ganzes Leben lang war er ein Außenseiter und spätestens seit dem frühen Tod der Schwester Sarah fühlte er sich nicht mehr als Teil der Familie. Vom Vater misshandelt, von der Mutter zwar geliebt aber nie wirklich wertgeschätzt lebte er Jahrelang vor sich hin und kriegte nie etwas so richtig hin. Gerade diese mangelnde Zielstrebigkeit, das Vagabundenleben gespickt mit Alkohol- und Drogenexzessen, unterscheidet ihn maßgeblich von seinen Geschwistern John (Detective im Sherrifs Department) und auch Meg (Linda Cardellini, Anwältin). Nicht jedoch von Kevin (Norbert Leo Butz), der viel von seinem Vater geerbt hat, aber nicht monetär sondern was die Charaktereigenschaften angeht. Seine kurze Zündschnur und emotionale Instabilität sorgen mehrfach für brenzlige Momente und man hat nie das Gefühl, dass er so verlässlich und stark sein kann wie er es gerne wäre.
Alle drei sind in festen Beziehungen, aber müssen auf Grund der Ereignisse, die sich nach Dannys Rückkehr entwickeln Entscheidungen treffen, die zwischenzeitlich dazu führen, dass sie komplett alleine dastehen. Ob das sein Ziel war oder nicht, schafft Danny es durch sein Verhalten, dass seine Geschwister – zumindest Zeitweise – ähnlich Leiden müssen wie er es die letzten 25 Jahre getan hat. Schon in der ersten Folge hatte er zumindest John vorausgesagt, dass dessen Leben nicht für immer so perfekt sein würde......
Nachdem auch die ‚normalen’ Sender wie Fox und NBC mit guten und spannenden Dramen vorgelegt hatten und HBO sich dieses Jahr auf sein Zugpferd Game of Thrones und natürlich auch auf True Detective verlassen kann (s.u.), war es für Netflix wichtig, neben House of Cards (wird vermutlich nur noch eine weitere Staffel haben) eine weitere starke Dramaserie für dieses Jahr zu präsentieren, und das Ziel haben sie erreicht: Bloodline unterhält und verstört gleichermaßen. Das überzeugt.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: ab nach Hause, hinsetzen, angucken!

HBO
Preview: True Detective, Staffel 2
Da ist er endlich, der erste Teaser für die zweite Staffel von True Detective. Nach mehrmaligem Anschauen und diversen Schweißausbrüchen gepaart mit nervösem Zucken der Extremitäten kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass sich die elende Warterei wohl lohnen wird.
Der knapp einminütige Clip kommt ohne Worte aus, und liefert trotzdem ein paar Antworten. Man kann nun z.B. davon ausgehen, dass – anders als noch in der ersten Staffel – alle ‚großen’ Darsteller auch eine tragende Rolle spielen. Wir sehen uns also ab dem 21. Juni 2015 mit vier Protagonisten konfrontiert: Vince Vaughn, Colin Farrell, Taylor Kitsch und Rachel McAdams.
Die Besetzung war ja schon vor dem Trailer bekannt und die ersten Bilder vom Set wurden ebenfalls vor ein paar Wochen geleakt, jedoch war ich mir nie richtig sicher, ob Showrunner Nic Pizzolatto es schaffen würde, eine ähnliche Stimmung zu erzeugen, wie wir sie schon in der ersten Staffel mit Woody Harrelson und Matthew McConaughey erleben durften. Der Teaser beweist: es wird spannend, gewalttätig, und hoffentlich ähnlich dramatisch wie schon im letzten Jahr.
Pizzolatto nimmt uns in diesem Jahr aus den Sümpfen Louisianas mit an die Westküste ,nach Kalifornien, und wir tauchen ein in die Welt von drei Polizisten (Farrell, Kitsch und McAdams) und eines Berufskriminellen (Vaughn), die sich nach einem Mord in einem Netz an Verschwörungen wiederfinden. Soviel hatte der Autor selber schon verraten, und ich möchte an dieser Stelle auch nicht viel mehr mutmaßen – am Ende liege ich eh falsch.....
Diese zweite Staffel terminiert HBO also als Follow-Up der fünften Staffel von Game of Thrones  und sichert sich dadurch eine  Quoten-Garantie im sonst so schwierigen Sommerloch. Gemeinsam mit der zweiten Staffel von The Leftovers (ziemlicher Psycho-Kracher von Lost-Alumni Damon Lindelof, Empfehlung folgt bald!) wird die Show  definitiv in der Lage sein, dass Loch zu füllen, das True Blood, letzten Sommer zu Ende gegangen, im Jahr 2014 hinterließ.
Nur noch Bock!

Preview: Game of Thrones, Staffel 5
Was erwartet uns am kommenden Sonntag? Diejenigen, die die Bücher bereits gelesen haben, sahen sich ja die letzten Jahre klar im Vorteil, jedoch scheint es nun so, dass dies nicht mehr lange der Fall sein wird. Der letzte Trailer ließ bereits tief blicken, und auch in den Interviews der letzten Wochen machten diverse Darsteller sowie George R. R. Martin keinen Hehl daraus, dass die kommende fünfte Staffel sich von der Buchvorlage entfernen wird.
Das erklärt zwar, warum Jamie Lannister in einem der Trailer plötzlich in Dorne zu sehen ist (wo er in den Büchern ja nie hingereist ist), fragt sich momentan wohl die gesamte Fangemeinde ob es ein cleverer Schachzug der Produzenten ist sich so dermaßen von den Romanen abzuwenden und eine eigene Richtung zu verfolgen. Man muss eigentlich davon ausgehen, dass Martin innerhalb der letzten zwei Jahre gemerkt hat, dass er das sechste Buch wohl in näherer Zukunft nicht fertig kriegen wird und damit Gefahr läuft von der Serie eingeholt zu werden. Für mich scheint dies die einzige plausible Erklärung für das Abweichen von der Vorlage.
Nichtsdestotrotz ist davon auszugehen, dass auch die neue Staffel nicht enttäuschen wird. Natürlich gibt es immer wieder Fans, die dann behaupten, dass hier und dort ein paar Sachen nicht stimmig sind und das man die Integrität der Romane nicht erhalten habe, aber Martin wird – gemeinsam mit den Showrunnern David Benioff und Dan Weiss – sich schon seine Gedanken gemacht haben um auch der fünften Staffel eine Kohärenz und Struktur zu verleihen, die seinem Werk gerecht wird. Deswegen ist er ja auch bei der Show mit an Bord.......
So: Am Montag wird die erste Folge geschaut! Dann mehr dazu.

NETWORK TV

ABC
Format: 20 Minuten / Comedy

Plot: Ed O’Neill (Ja, DER Al Bundy-Darsteller aus den Neunzigern)  gibt den Rentner in seinen Sechzigern. Dieser wohnt in direkter Nachbarschaft mit seinen zwei Kindern, Claire (verheiratet mit zwei Kindern) und Mitchell (Anwalt, wohnt zusammen mit seinem Lebenspartner Cameron) und diese Konstellation erzeugt allerlei Dramen in jeder erdenklichen Hinsicht.
Fazit: Die sechste Staffel läuft erfolgreich in den USA, die Erfolge bei den Emmy-Awards der letzten Jahre sprechen eigentlich auch für sich. Bringt mich immer wieder zum lachen, und das konstant seit mehreren Jahren. Leichte Kost, teils sogar herzerwärmend aber nie flach oder anspruchslos; einfach nur clever und komisch. Zwischendrin einsteigen fällt m.E. nach recht schwer. Daher lieber mit der ersten Staffel beginnen und dann entscheiden.


Format: 45 Minuten / Krimi
Plot: Jura-Professorin und Strafverteidigerin Annalise Keating (Viola Davis) wählt aus ihrer Uni fünf Jura-Studenten aus, die ihr in ihrer kleinen Kanzlei mit aktuellen Fällen bzw. der Arbeit mit ihren Klienten helfen sollen. Sie und ihr Team werden im Laufe des Semesters in einen Mordfall verwickelt.
Fazit: Zu Beginn dachte ich, dass es eine weitere weiblich-zentrierte Serie von Shonda Rhimes werden würden, die ja mit Grey’s Anatomy (Bin ein Fan seit der ersten Folge, gebe ich hier offen zu!) und Scandal schon zwei sehr beliebte Shows geschaffen hat, aber ich bin eines besseren belehrt worden. How to... kommt nicht so plump daher wie zunächst vermutet und hält ein paar sehr gute 180Grad-Drehungen für den Zuschauer bereit und ein paar astreine Cliffhanger zum Ende einiger Folgen. Eine anständige Krimi-Serie.


CBS
Format: 45 Minuten / Drama
Plot: Die Frau des Staatsanwalts von Cook County in Chicago, Alicia Florrick (studierte Juristin), hat genug von der Untreue ihres Mannes und dem politischen Gehabe und entschließt sich, wieder in einer Kanzlei zu arbeiten. Die Sozietät, in der sie ihren beruflichen Neuanfang wagt gehört ihrem alten Freund (und Liebhaber) Will Gardner, was natürlich Komplikationen beruflicher und privater Natur mit sich bringt.
Fazit: In den USA läuft bereits die sechste Staffel und jede einzelne hält ihre eigenen Irrungen und Wirrungen bereit. Mir gefällt die Show besonders, weil die Protagonistin, gespielt von Julianna Margulies, so dermaßen überzeugend ist und der gesamten Serie ihren Stempel aufdrückt. Gepaart mit weiteren starken Darstellern wie z.B. Christine Baranski, Matt Czuchry und besonders Alan Cumming ist es eine Reise durch die Anwaltswelt in Chicago und den politischen Problemen einer amerikanischen Großstadt. Die persönlichen Dramen, Affären, Todesfälle und Enthüllungen sind immer wieder geschickt eingeflochten in die Geschichte, die seit fast sieben Jahren läuft und einfach nicht langweilig wird und auch zwischendurch extrem witzig ist. 


FOX
Format: 45 Minuten / Krimi
Plot: Aussortierter FBI-Agent Ryan Hardy (Kevin Bacon, guter Mann!) sieht sich den neuen Taten des Massenmörders Joe Carroll (James Purefoy, spielt den Wahnsinnigen wahnsinnig gut) gegenüber, den er eigentlich vor acht Jahren schon einmal hinter Gitter gebracht hatte. Joe hat es während seiner Zeit im Gefängnis hinbekommen, sich eine Gefolgschaft, eine Schar an Jüngern zuzulegen, die ähnlich gestört sind wie er. Nachdem er es schafft, auszubrechen beginnt er mit seinem Clan weitere Morde zu begehen, die das FBI auf den Plan rufen und natürlich auch den total versoffenen Hardy, der nun helfen muss Joe wieder dingfest zu machen.
Fazit: Richtig gut, die erste Staffel fesselt einen geradezu vor der Glotze. Es ist eine gänzlich andere Art von Krimi als z.B. How to... (s.o.), weil in diesem Fall der Personenkult um den Massenmörder Carroll im Fokus steht und dessen latent instabile Psyche sehr schlau mit der des Agenten vernetzt wird. Aus „FBI jagt Sekte“ wird also sehr schnell „Ryan jagt Joe“ und das setzt beiden emotional ziemlich zu. Und dann ist da noch die Ex-Frau des Mörders, die (natürlich) eine Schwäche für den so labilen Agenten hat.....Wenn ihr Krimis mögt, guckt es Euch an.


NBC
Format: 45 Minuten / Drama,Krimi
Plot: Raymond „Red“ Reddington (James Spader, kaum gealtert seit Stargate im Jahr 1994) gibt den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter, der inzwischen auf der Liste des FBI ganz oben steht, weil er seit seinem Ausscheiden aus besagtem Dienst eine kriminelle Karriere eingeschlagen hat. Er stellt sich überraschenderweise dem FBI und bietet an, ihnen bei der Suche nach Terroristen und Verbrechern zu helfen. Dies aber nur unter der Bedingung, dass er mit Elizabeth Keen zusammenarbeitet. Die kommt gerade frisch aus der Akademie und weiß kaum wie ihr am ersten Arbeitstag geschieht.
Fazit: Extrem unterhaltsam, und meist recht undurchsichtig. In dem Moment, wo man denkt, dass man jetzt kapiert hätte in welcher Beziehung Red und Lizzie stehen wird man wieder enttäuscht und auf eine andere Fährte geführt. Showrunner Jon Bokenkamp (der verantwortlich war für District 9 und auch Regie führen wird beim neuen Alien-Werk, bin sehr gespannt!) führt den Zuschauer mehrfach an der Nasen herum, aber verliert nie den Fokus, denn der liegt auf der sog. Blacklist und was sie einerseits für Reddington und andererseits für die Zukunft von Agentin Keen bedeutet. Am Ende wäre da noch der Grundschullehrer Tom Keen, Elizabeths Ehemann: warum hält der fünf verschiedene Reisepässe, ne Knarre und massig Bargeld in diversen Währungen im Haus der beiden versteckt?! Gucken, und wundern!